Die Gemeindegebietsreform von 1978 liegt nun 30 Jahre zurück - also eine Generation. Dazu ist über den Zusammenschluss von Hallbergmoos mit Goldach, die am 1. Mai 1978 stattgefunden hat, ausführlich in der 150-Jahrchronik von Hauptlehrer Feike berichtet worden.
Dass aber im Zuge dieser Gebietsreform auch die südliche Brandau mit ungefähr 50 Einwohnern aus der Stadt Freising ausgegliedert und der Gemeinde Hallbergmoos zugeschlagen worden ist, finden sich nur spärliche Unterlagen.
Von besonderer Bedeutung ist dieses unserer Gemeinde zugeschlagene Gebiet, da sich dort nicht unerhebliche Teile des jetzigen Gewerbegebiets befinden, wie die beiden nachfolgenden Karten belegen.

Dabei ist es insbesondere das Verdienst der damaligen Bürgermeister Gruber (1966-1984) und Pointner (1984-1996), die, zusammen mit den damaligen Gemeinderäten, die Weichen für dieses Industriegebiet gelegt haben, das im Wesentlichen zu den Gewerbesteuern von 1998 bis 2007 in
Höhe von 129,6 Mill € beigetragen hat. Selbstverständlich war diese Entwicklung nur möglich durch die Entscheidung der bayerischen Staatsregierung zum Bau des neuen Flughafens als Ersatz für München-Riem, wovon der Gemeinderat am 17. Oktober 1967 erstmals Kenntnis erhalten hat. Im Weiteren sollen die relevanten Ereignisse sowie Entscheidungen im Gemeindrat für die Entwicklung des Gewerbegebiets und
wichtige Folgeentscheidungen dargestellt werden:
Am 7. Oktober 1969 wurde im Gemeindrat zunächst der Beschluss gefasst, dem Planungsverband äußerer Wirtschaftsraum München beizutreten. Zudem wurde das bisherige Siedlungsgebiet zwischen Hallbergmoos einschließlich Mariabrunn beiderseits der Straßen wegen des zu erwartenden Flughafens zum Industriegebiet erklärt. Der Planungsverband wurde beauftragt, dazu einen Flächennutzungs- und Bebauungsplan zu erstellen. Gegen einen geringfügigen Gebietstausch von 0,0136 Hektar mit der Stadt Freising hatte der Gemeinderat am 13. September 1971 keine
Einwände.
In der Sitzung am 29. Februar 1972 fasste der Gemeinderat den Beschluss zur Fusion mit Goldach und zur Zugehörigkeit zum Landkreis Freising.
Am 11. April 1973 wurde eine Eingemeindung nach Neufahrn oder Freising entschieden abgelehnt und die Angliederung der südlichen Brandau zusammen mit dem Notzinger Moos und Teilen des Oberdinger Mooses gefordert. Als Begründung für die Angliederung der Brandau wurde die
Zugehörigkeit zur Pfarrei Hallbergmoos sowie zum Hallbergmooser Schulsprengel angeführt.
Am 20. August 1973 wurde die weitere Industrieansiedlung im Söldnermoos sowie im Neufahrner Moos gefordert. Diese Ansiedlung sollte sich von der südlichen Flughafengrenze bis zum Ortsbeginn erstrecken, wobei in der Nähe der bebauten Ortsteile lärmarme Betriebe in Frage kommen sollten. In einer gemeinsamen Sitzung mit dem Gemeinderat von Notzing am selben Tag wurde die Schaffung eines Gemeindezentrums beschlossen. Die künftige Einwohnerzahl der zusammengelegten Orte Hallbergmoos und Goldach soll zwischen 6.000 Einwohnern ohne S-Bahnanschluss und zwischen 10.000 bis 12.000 mit S-Bahn liegen. Derzeit leben ca. 8.900 Einwohner mit Erstwohnsitz in Hallbergmoos.
Die Einbeziehung der südlichen Brandau wurde am 30.10.1973 in einer weiteren gemeinsamen Sitzung beschlossen.
Am 13. August 1974 forderte der Gemeinderat einen eigenen S-Bahnhof in der Nähe der Grünecker Straße zwischen Erching und Brandstadl. In derselben Sitzung wurde der Planungsverband beauftragt, eine Entwicklungskonzept mit Goldach erstellen zu lassen, das zunächst nur die erste
Stufe mit der Bestandserhebung umfassen sollte und stimmt am 1. Oktober dem Entwicklungskonzept des Planungsverbandes zu.
Der Grundabtretung in der Sitzung am 4. November 1974 für den S-Bahnbau wurde nur mit der ausdrücklichen Forderung nach einem eigenen Bahnhof zugestimmt. Die Vertreter der Bundesbahn wollen diese Forderung beim Verkehrsverbund unterstützen. Die Gemeinde verwies dabei auf die Schreiben vom 23. August und 3. September desselben Jahres.
Dem Antrag von Bürgermeister Gruber auf Ausbau der Ludwigstraße gab der Gemeinderat am 27. Mai 1975 statt.
Eine wichtige Besprechung zur Gebietsabtretung fand am 26. Januar 1976 in Freising unter Anwesenheit des damaligen Oberbürgermeisters Dr. Schäfer, 1. Bürgermeister Ludwig Gruber sowie Regierungsrat Manfred Pointner vom Landratsamt Freising statt. Dabei wurde die künftige
Grenzziehung im Bereich der sog. „Brandau“ festgesetzt. Die neue Grenze wurde auf Karten 1:5000 rot eingetragen, wovon Freising und Hallbergmoos je ein Kartenexemplar erhielten, wie Regierungsrat Pointner in einer Aktennotiz festhielt. Darin ist auch fixiert, dass „von dieser
Besprechung keine Zustimmung auf Umgliederung der sog. „Brandau“ nach Hallbergmoos abgeleitet werden kann“, wie es weiter heißt.
Tags darauf erklärt sich der Gemeinderat einverstanden mit dem Anschluss der Brandau an Hallbergmoos.
Auf eine zweite Anbindung zur FS 11 neu verzichtete der Gemeinderat am 24. Februar 1976. Ebenso wurde der Vertragsentwurf des Landratsamtes Freising genehmigt, demzufolge der Landkreis und der Flughafen München die Planung dem Ingenieurbüro Huber in München übertrugen. Die
Gemeinde Hallbergmoos wollte dabei das auf dem Gebiet der Stadt Freising liegende Zwischenstück der Gemeindeverbindungsstraße mit ausbauen und forderte aufgrund des zu erwartenden Verkehraufkommens einen Fuß- und Radweg neben der Ludwigstraße.
Das ab 1. Mai 1978 von der Stadt Freising kommende Gebiet wurde durch den Gemeinderat am 27. Februar zum Industrie- und Gewerbegebiet bestimmt und am 14. November desselben Jahres einstimmig der Bebauungsplan Söldnermoos beschlossen.

Am 25. Oktober 1982 genehmigte der Gemeinderat auf Vorschlag des 1. Bürgermeisters die Straßenführung im Gewerbegebiet. Damit waren die Voraussetzungen für das Gewerbegebiet geschaffen.
Nach dem Amtswechsel von 1. Bürgermeister Gruber an Bürgermeister Pointner zum 1. Mai 1984 folgte am 16. Juli 1984 der Grundsatzbeschluss zum Grunderwerb, gefolgt vom Beschluss vom 16. Dezember 1985, dass nun Kaufangebote geschlossen werden können.
Am 3. März 1986 erfolgte der Aufstellungsbeschluss des Bebauungsplanes für das Gewerbegebiet. Damit einher gingen die Planungen für das Schulzentrum, die nur durch die folgenden Grundstücksgeschäfte so umgesetzt werden konnten.
Am 14. April 1986 beschloss der Gemeinderat das städtebauliche Konzept für die Schule mit Turnhalle und Kindergarten am jetzigen Graf-Hallberg-Platz.
Zwei Monate später erfolgte am 16. Juni die Grundstückspreisfestlegung für Käufe von Grundstücken zum Preis von DM 120 pro m2 im Gewerbegebiet. Bereits am 8. Dezember 1986 wurden ca. 74.000 m2 durch die Gemeinde für 12,5 Mill DM verkauft. Am 23. Februar 1987 wurde die Planung der Dreifachturnhalle mit 25.000 m2 und Kosten von 8,875 Mill. DM sowie die Schule mit Kosten von ca. 7 Mill. DM vorgestellt und genehmigt.13 Monate später - am 28. März1988 - beliefen sich die genehmigten Baukosten der Turnhalle auf 12,247 Mill. DM.
Als Fazit gilt es für mich festzustellen, dass ohne den Anschluss der südlichen Brandau und die weitsichtigen Beschlüsse der beiden Bürgermeister Gruber und Pointner, gemeinsam mit den damaligen Gemeinderäten, Hallbergmoos nicht die zurückgelegte Entwicklung genommen hätte. Dies lässt sich deutlich an den Gewerbesteuereinnahmen ablesen. Lagen diese im Durchschnitt der Jahre 1980-1989 bei 348.000 €, stiegen sie im nächsten Jahrzehnt (1990-1999) auf durchschnittlich 4,245 Mill. €, um im neuen Jahrtausend (2000-2007) auf 12,891 Mill € im Schnitt zu steigen. Dazu ist
allerdings anzumerken, dass der Gemeinde auf Grund der Gewerbesteuerumlage und Kreisumlage derzeit von jeder Million nur ca. 42 % bleiben.
Karl-Heinz Zenker
Hallbergmoos im November 2008