14. Sammelblatt - Das langsame Sterben des Alten Wirts in Hallbergmoos

Alter Wirt im Oktober 2009

Der alte Wirt an der Ludwigstr ist das älteste Gebäude von Hallbergmoos. Nur Erching und Schloss Birkeneck können auf eine teilweise deutlich längere Geschichte zurück blicken. Doch mit dem Erwerb von Schloss Birkeneck durch Graf Hallberg im Jahr 1825 nimmt die Geschichte von Hallbergmoos ihren Lauf. Bereits im Jahr zuvor hatte Graf Hallberg König Maximilian von Bayern Pläne zur Trockenlegung und Kultivierung eines Teiles des Erdinger Mooses vorgelegt und 1828 von König Ludwig I die Genehmigung dazu erhalten.

Im selben Jahr wurde bereits die Goldach reguliert und 9000 Klafter Gräben gezogen. Mit Schreiben des Innenministeriums vom 21.Mai 1828 wird der neue Ort nicht Ludwigsburg sondern zu Ehren des Grafen Hallbergmoos genannt.

Der alte Wirt taucht erstmals im Freysinger Wochenblatt Nr 9 vom Sonntag den 28. Februar 1830 auf, wo Johann Nep. Asam, Wirth zu Hallberg=Moos bekannt gibt: „Der Unterzeichnete hat die Ehre einem verehrlichen Publikum anzuzeigen, dass er das neue Wirtshaus in der k. Kolonie zu Hallbergmoos bey Freysing bezogen hat. Man kann bey ihm nach jedem beliebigen Preis speisen, Weine und sonstige Erfrischungen haben. Indem er sich möglichst befleissen wird, seine Gäste zu befriedigen, hofft er auf zahlreichen Zuspruch“. Dies war der erste Hinweis auf den alten Wirt, dem weitere folgen sollten.

Luftbildaufnahme des Alten WirtsSo hat der alte Wirt im Laufe der Jahrzehnte viele Feste erlebt. Zuletzt erfüllten die beiden Hallbergmooser Künstler Tita Heydecker und Konrad Dördelmann als letzte Bewohner den alten Wirt mit Leben, in dem sie von September 1985 bis Ende 1996 dort wohnten und arbeiteten. Ihre Ausstellungen und Veranstaltungen sind mir noch in bester Erinnerung. Seither feiern sie jeweils am 15. Oktober den Namenstag des alten Wirts.

Am 1. März 1993 wurde dem Gemeinderat bekannt gegeben, dass der alte Wirt in die Denkmalliste aufgenommen worden ist.

Danach wurde es sehr einsam um den alten Wirt. Pläne der Gemeinde um eine teilweise Nutzung als Heimatmuseum schlugen fehl. Ein Vorhaben bezogener Bebauungsplan der Besitzer mit Genehmigung der Gemeinde aus dem Jahr 2005, der eine Nutzung als kombinierte Gaststätte mit Hotel, Biergarten und Bau von Wohnhäusern vorsah, ließ sich bis heute ebenfalls nicht verwirklichen.

Im Oktober 2005 teilte das Landratsamt der Gemeinde Hallbergmoos mit, dass die von ihr erlassene Instandsetzungsanordnung nicht gerechtfertigt sei.

Das vorläufig letzte Mal stand der alte Wirt im Blickpunkt, als auf meine Nachfrage eine Ortsbesichtigung mit Besitzern, Rechtsvertreter sowie Beauftragten des Landratsamtes und der Gemeinde im Januar 2008 statt fand und als einziges Ergebnis zu einigen Sicherungsmaßnahmen führte. Seitdem schreitet der Verfall des Gebäudes weiter fort und das Grundstück wird als Parkplatz genutzt.

Alter Wirt als Parkplatz genutzt

Auf meine letzte Anfrage vom Oktober diesen Jahres, wo auch die beiden Bilder aufgenommen worden sind, wurde durch die Gemeinde mitgeteilt, dass das Landratsamt weiterhin davon ausgeht, dass ein Investor gefunden werden kann.

Das Denkmal wurde zusammen mit dem Denkmalschutzamt besichtigt. Als Ergebnis wurde festgehalten: „Es handelt sich um ein bedeutendes Denkmal. Aus Sicht des Landratsamtes wurde das Denkmal ordnungsgemäß gesichert (Ergebnis der Besichtigung aus dem Jahr 2008). So wurden die Fenster verbrettert, das Dach ausgebessert und der Kamin soweit erforderlich abgetragen. Eine Instandsetzungsverfügung ist daher nicht erforderlich. Es darf dennoch nicht verkannt werden, dass es sich bei dem Denkmal um keinen schönen Anblick handelt. Das Denkmal bleibt weiterhin in der Denkmalliste.“

Soweit zu den Aussagen der zuständigen Behörde, denen ich nichts hinzufügen möchte.

 

Karl-Heinz Zenker
Hallbergmoos, im Dezember 2009