22. Sammelblatt - Das Kainanwesen in der Ludwigstraße

Die diesem Sammelblatt zu Grunde liegenden Fotos, Pläne sowie Skizze des Luftschutzbunkers stammen ausnahmslos von Rosi Hiller, geborene Stanglmaier und Enkeltochter des Erwerbers des Anwesens, der ich an dieser Stelle für ihre Unterstützung recht herzlich danken möchte.

1886 erwarb Thomas Stanglmaier das Anwesen in der Ludwigstr, wie es in der Notarurkunde vom 29. September heißt,  „Afra Kain, geborene Strixner, Gütlersehefrau Hausnr 5 in Hallbergmoos mit ihrem Ehemann Peter Kain ebendort, mir nach Namen, Stand und Wohnort bekannt verkaufen an Thomas Standlmaier, vormals Gütler in Holzhäusl, Gemeinde Sünzhausen, Gericht Pfaffenhoffen dort im Aufenthalte, dessen Namen, Stand und Wohnort mir persönlich bekannten Männern, Jakob Wiedmann..“, so der Beginn der Kaufurkunde.  Auf dem unteren Foto sind vor dem Anwesen von links nach rechts zu sehen, wie sich Rosi Hiller – Enkelin des Käufers Thomas Stanglmaier - erinnert. Ein nicht bekannter Arbeiter, die Cousine des Großvaters Stanglmaier(ganz rechts)  als Kindsmagd, Großmutter Stanglmaier, ein Kind, der Vater von Rosi Hiller als Junge sowie sein Vater und daneben ein Hund. Typisch der Bauerngarten mit dem Lattenzaun sowie dem Entwässerungsgraben.

Das Kainanwesen

Das nächste Foto, das deutlich später aufgenommen worden ist, zeigt Oma Stanglmaier mit Hund sowie ihrem Sohn, dem Vater von Rosi Hiller. Besonders deutlich ist auf diesem Foto der Entwässerungsgraben zu erkennen.

Oma Stanglmaier mit Hund sowie ihrem Sohn

Luftbild des KainanwesensAuf dem Luftbild (Ende fünfziger/Anfang sechziger Jahre) ist das gesamte Anwesen  zu sehen. Das Wohnhaus wurde 1967 abgerissen und musste einem Neubau weichen. Das an das Wohnhaus anschließende Scheunengebäude war mit Bauplan vom 4. April 1936 umgebaut worden. An dem abgebildeten Bauplan vom geprüften Maurermeister Michael Peischl ist bemerkenswert, dass die Plangenehmigung vom 13. April datiert ist mit den Worten: „Der Bauleiter übernimmt für baulichen Plan und vorschriftsmäßige Ausführung des Baus jede Verantwortung.“ Die Ortspolizei mit Unterschrift des damaligen Bürgermeisters Ludwig Funk. Die hintere Scheune war mit Bauplan (unterer Plan) vom 9. Juni 1926 gebaut worden, wobei die Genehmigungsgebühren sechs Mark betrugen. Auf der Stirnseite der Scheune ist ein Schuppen angebaut, der zum Trocknen des Torfs diente. Der Querbau zwischen den beiden Scheunen war Ende der vierziger Jahre errichtet worden. Im Hintergrund ist das Besenriederanwesen zu erkennen.

Die nächste Kopie zeigt die Genehmigung des Bauplans vom 4.4.1936 mit Unterschrift des damaligen Bürgermeisters Ludwig Funk – interessant im Vergleich zu heutigen Genehmigungsbescheiden.

Bauplan vom 4. April 1936

Die nachfolgende Skizze zeigt einen behelfsmäßigen Luftschutzbunker, der im 2. Weltkrieg nördlich des Stanglmaieranwesens als Erdbunker errichtet worden war. Er War im Feld ausgehoben worden, wobei zunächst drei Stufen nach unten führten. Von da aus führte der Weg in einen Gang zunächst nach links, um dann nach rechts in den eigentlichen Raum einzumünden. Der Gang konnte von einem Erwachsenen nur in gebückter Haltung begangen werden. Der eigentliche Aufenthaltsraum maß ca 2,5x 1,5 Meter, wie sich Rosi Hiller erinnert. Darin waren auf je zwei Pfosten  ein Brett befestigt, dass zum Sitzen diente. Der Ausgang führte auf der anderen Seite aus dem Schutzraum, wie in der Skizze dargestellt. Der Hauptraum bestand aus einer Balkenkonstruktion, auf der das Erdreich aufgeschüttet war. Bei jedem Fliegeralarm über die Sirene bzw entsprechende Warnungen über das Radio liefen Familie Fischer und Stanglmaier in den Luftschutzraum. Dort wurde dann auch gebetet.

 

Karl-Heinz Zenker
Hallbergmoos, im Februar 2014