27. Sammelblatt - Der 2. Weltkrieg und Hallbergmoos

Vorwort

Dieses Sammelblatt soll die Auswirkungen des 2. Weltkrieges auf Hallbergmoos während und nach dem Krieg darstellen. Dieser Geschichtsabschnitt wurde in der 150-Jahrchronik von Hauptlehrer Feike mit nicht einmal einer Seite nur sehr spärlich behandelt. Da es noch einige Zeitzeugen gibt, sollen diese zu Wort kommen, um über Kriegs- und Nachkriegsereignisse der unterschiedlichsten Art zu berichten, um sie für die Nachwelt zu erhalten. Gleichzeitig sollen sie zum Nachdenken anregen und zur Mahnung an zukünftige Generationen dienen, damit sich derartig schreckliche Ereignisse nie mehr wiederholen.

In diesem Zusammenhang verweise ich auf meine bereits erschienenen Sammelblätter zu Teilaspekten, insbesondere auf das 2. Sammelblatt über Wladimir, Sohn einer Ostarbeiterin aus dem Krieg auf der Suche nach seiner Geburtsurkunde und das 3. Sammelblatt über Bomben auf Hallbergmoos und Goldach sowie das 22. Sammelblatt mit der Skizze eines selbstgebauten Luftschutzkellers, alle auch veröffentlicht im April 2014 in dem Heft Sammelblätter Hallbergmoos/Goldach.

Vorgeschichte

Mit dem Angriff auf Polen am 1. September 1939 begann der 2. Weltkrieg. Dies war nur möglich, da aus dem 100.000 Mann Heer der Reichswehr nach der Machtübernahme durch Adolf Hitler am 30. Januar 1933 mit Einführung der allgemeinen Wehrpflicht am 16. März 1935 mit einjähriger Dienstzeit und Verlängerung dieser Dienstzeit zum 24. August 1936 auf zwei Jahre die Wehrmacht bis 1939 (Heer: 2,75 Mill Soldaten, Luftwaffe: 400.000 Soldaten und Marine 50.000 Soldaten) auf 3,2 Millionen Soldaten aufwuchs (www.dhm.de/lemo/html/wk2/kriegsverlauf/wehrmacht). Zum Vergleich: die Bundeswehr hat heute 185.000 Soldaten und selbst zu Hochzeiten des kalten Kriegs hatte die Bundeswehr nur 495.000 Soldaten und die Nationale Volksarmee 185.000, zusammen genommen also 680.000 Soldaten, nicht einmal ein Viertel der Wehrmachtsstärke. Dieser rasante Aufbau der Wehrmacht führte in unserer Region zum Bau der Steinkaserne in Freising sowie des Fliegerhorstes Erding.

Hallbergmoos hatte bei der Volkszählung am 17. Mai 1939, 1309 Einwohner, wobei Mariabrunn zum 1. April 1934 mit 75 Einwohnern eingemeindet worden war (Stand 1.12.1910: 882 Einwohner). Für Notzing sind zum selben Datum 1051 Einwohner festgehalten, also kaum eine Veränderung zum Stand vom 1.12.1910 mit 1014 Einwohnern. Zum Vergleich die Einwohnerzahlen 1939 von Freising: 19.734 Einwohner, Neufahrn: 1.105 und Eching: 959 Einwohner(Angaben aus dem Internet für die Volkszählung vom 17. Mai 1939). 1. Bürgermeister in Hallbergmoos war der von den Nazis eingesetzte Postbeamte Staudinger, der Funk 1938 gefolgt war und im Maxreiterhaus wohnte, in dem sich auch die Post befand.

Kriegsteilnehmer, Gefallene und Vermisste sowie in Kriegsgefangenschaft Verstorbene aus Hallbergmoos und Goldach

Ein Problem bereitet die Feststellung der Kriegsteilnehmer. Dazu standen mir die Kriegerdenkmäler von Hallbergmoos und Goldach gem. Anhang 1 und 2, die Bildtafeln von Hallbergmoos und Notzing gem. Anhang 3 und 4 über Kriegsteilnehmer, die Bildtafeln über Gefallene und Vermisste gem. Anhang 5 und 6, sowie die Sterbebücher der Gemeinden Hallbergmoos und Notzing, die 150-Jahrchronik von Hauptlehrer Feike und Sterbebilder zur Verfügung. Dabei sind auf den Kriegerdenkmälern in Hallbergmoos und Goldach nur die Gefallenen und Vermissten eingraviert, sowie nach Kriegsende in Gefangenschaft Verstorbene. Wie diese Namen festgestellt wurden, konnte ich nicht mehr ermitteln. In Hallbergmoos erfolgte diese Ermittlung vermutlich im Zusammenhang mit der Umsetzung des Kriegerdenkmales zum 90-jährigen Gründungsjubiläum des Kriegervereins am 10./11. Juli 1965 mit Ergänzung um die beiden Stelen für die Gefallenen und Vermissten des 2. Weltkriegs.

Auf dem Kriegerdenkmal in Hallbergmoos sind 53 Gefallene und 23 Vermisste, in Goldach 33 Gefallene und 15 Vermisste eingraviert.

Auf den Bildtafeln für Kriegsteilnehmer sind für Hallbergmoos 126 Kriegsteilnehmer, 59 Gefallene und 21 Vermisste aufgeführt. Die entsprechende Tafel für Notzing vermerkt 83 Kriegsteilnehmer, 30 Gefallene und 6 Vermisste.

Auf den Bildtafeln für Gefallene sind bei Hallbergmoos 50 Gefallene und für Notzing(Gemeinde Notzing und Goldach) 45 Gefallene aufgeführt.

In den Sterbebüchern Hallbergmoos sind bis 20. Mai 1963 insgesamt 44 Eintragungen von Gefallenen und in Kriegsgefangenschaft Verstorbenen aufgeführt. Dazu sind vier, bei Kämpfen in Hallbergmoos am 29.04.1945 Gefallene und Anfang Mai in den Isarauen gefundene Soldaten vermerkt, wovon drei laut Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge in München im Waldfriedhof ruhen. Als Ergebnis des Zusammenbruchs des Warschauer Pakts und der Öffnung der ehemaligen Sowjetunion für die Arbeit des Volksbundes sind 1996 und 1997 noch drei Eintragungen von in Kriegsgefangenschaft Verstorbener aus Notzing und Goldach eingetragen.

In den Sterbebüchern der Gemeinde Notzing sind bis 25.09.1952 insgesamt 22 Eintragungen von Gefallenen und in Kriegsgefangenschaft Verstorbenen aufgeführt.

Die 150-Jahrchronik von Hauptlehrer Feike von 1980 vermerkt für Hallbergmoos 53 Gefallene und 21 Vermisste und für Goldach 30 Gefallene und 13 Vermisste.

Aus den aufgeführten Listen ist zweifelsfrei festzustellen, dass die in den Sterbebüchern vermerkten Gasteiger Ludwig gef: 02.03.1942, Stopfer Georg gef: 30.09.1942, Glaser Erwin gef: 20.11.1944, Schneider Rudolf gef: 20.11.1944 und Harrer Georg gef: 17.02.1945 nicht auf dem Kriegerdenkmal in Hallbergmoos eingraviert sind. Das gleiche gilt für Theodor Widerer, der auf der Tafel für Kriegsteilnehmer als gefallen geführt ist und dessen Bild sich auf dem Familiengrab in Hallbergmoos findet.

 

Weiter finden sich auf dem Bild „Kriegsteilnehmer zur Ehre“ als Gefallene W. Angerer, J. Antengruber, M. Schwemmer, J. Bauer und J. Dichtl, die nicht auf dem Kriegerdenkmal aufgeführt sind. Zu Angerer, Antengruber und Schwemmer fanden sich in den Unterlagen der Gemeinde keinerlei Hinweise. Dafür gibt es für Andreas Angerer aus dem Oberdingermoos ein Sterbebild, gestorben am 3. März 1945 nach schwerer Verwundung in Oberschlesien. Zu J. Bauer, geb 29.10.1901, fand sich eine Eintragung, dass er am 21.02.1929 als Dienstknecht in Birkeneck zugezogen war. Zu J. Dichtl fanden sich Namen, die dazu passen, nämlich ein Josef, geb 11.12.1898 von Beruf Zimmermann und ein Johann, geb 20.04.1900, ebenfalls Zimmermann von Beruf. Zu den drei nicht eingravierten Vermissten J. Loibl, M. Wachinger und K. Scherrer fand sich nur auf J. Loibl ein Hinweis, dass er seit Januar 1945 im Raum Königsberg als vermisst gilt und vom
Amtsgericht Freising für tot erklärt worden ist.

Darüber hinaus ergab eine Abfrage beim Volksbund deutsche Kriegsgräberfürsorge unter www.volksbund.de (Gräbersuche online), dass elf in Hallbergmoos geborene Kriegsteilnehmer, einer davon aus dem 1. Weltkrieg, als gefallen geführt werden. Dazu konnte nur in zwei Fällen ermittelt werden, dass die Betreffenden zwischenzeitlich aus Hallbergmoos verzogen waren. Bei der Vielzahl von in der Landwirtschaft Beschäftigten dürfte dies wohl auch auf die anderen zugetroffen sein.


Kriegerdenkmal der Pfarrgemeinde Hallbergmoos auf dem Friedhof

Wie das folgende Foto zeigt, hat auch die Pfarrgemeinde Hallbergmoos ihren gefallenen Söhnen auf dem Friedhof ein Denkmal errichtet. Gut ist auf dem Foto zu sehen, dass sich hinter dem Denkmal noch landwirtschaftliche Fläche befand. Der Herr rechts auf dem Foto ist der damalige 1. Bürgermeister Zeilhofer, links Pfarrer Forster. Zum Datum der Einweihung konnte ich keine Angaben finden.

Tote in Gefangenschaft

Nach dem 2. Weltkrieg sind noch unzählige Soldaten in der Gefangenschaft, insbesondere in Rußland, verstorben. Im Sterbebuch von Hallbergmoos sind mit Kopp, Flieger, Walter, Rückerl, Hermann, Sonnleitner und Ziegeltrum sieben in Kriegsgefangenschaft Verstorbene vermerkt. Der letzte Eintrag datiert vom 30. Juni 1948, wo mitgeteilt wurde, dass Anton Herrmann am 22. April 1948 im 231. Mil Hosp in Norfolk/GB an Lungenentzündung verstorben ist.

Im Notzinger Sterbebuch datiert ein Eintrag vom 20. Februar 1948, wo der Tod des am 15.11.1945 in Ägypten verstorbenen Georg Preglers mitgeteilt wird.

Benachrichtigung der Angehörigen Gefallener durch die letzte Einheit oder Lazarett

In den Unterlagen des KSV Hallbergmoos fanden sich 16 Abschriften von Benachrichtigungen über den Tod eines Soldaten durch seine letzte Einheit oder ein Feldlazarett. Dabei ist der Wortlaut unterschiedlich gehalten und nur in wenigen Fällen zum Schluss mit Heil Hitler unterzeichnet. Als Anhang 7 ist eine Abschrift einer Nachricht beigefügt.

Zeitungsartikel über gefallene Soldaten

Die folgenden drei Zeitungsartikel gem. Anhang 8 über gefallene Soldaten, die sich ebenfalls in den Unterlagen des KSV Hallbergmoos fanden, sollen einen Einblick über den Zeitgeist, die Schicksale, Berufe und bei Georg Funk über eine Beisetzung in der Heimatgemeinde geben. Bei Josef Niedermaier ist auch die Ortsbezeichnung Freising-Brandau interessant, spiegelt sie doch die politische Zugehörigkeit der Brandau zu Freising wieder.

Sterbebilder gefallener Soldaten

Insgesamt liegen mir 54 Sterbebilder gefallener Soldaten aus Hallbergmoos, Goldach, Brandau und Franzheim vor. Daraus habe ich vier (Markus Bäuerle, Johann Dichtl, Jakob Schmidmeier und Josef Hicker) ausgewählt. Die ersten beiden zeigen Johann Dichtl, der bei der Marine diente und am 20. 12.1944 in Luxemburg im Alter von 18 Jahren und 8 Monaten fiel, sowie den Gefreiten Markus Bäuerle, der drei Wochen vor Kriegsende im Alter von 17 Jahren und 7 Monaten fiel. An Markus Bäuerle wird auch am Grab in Hallbergmoos gedacht, wie das nächste Foto zeigt.

Die nächsten beiden Sterbebilder zeigen Josef Hicker und Jakob Schmidmeier. Bei Josef Hicker ist als Beruf landwirtschaftlicher Arbeiter angegeben, zudem sind die Auszeichnungen aufgeführt. Jakob Schmidmeier fiel als Angehöriger der Schutzpolizei mit 42 Jahren.

Bilder Gefallener auf Grabsteinen

Wie schon mit den Bildern von Theodor Widerer und Markus Bäuerle gezeigt, sind auch etliche Gefallene mit ihren Bildern auf den Grabsteinen im heimatlichen Hallbergmoos verewigt. Besonders beeindruckend ist dabei das Grab der Familie Franzspeck, wo mit Hans und Ludwig Franzspeck gleich zweier Gefallener mit Fotos gedacht wird.

Kriegsereignisse in und um Hallbergmoos

Im Folgenden sollen Ereignisse in und um Hallbergmoos geschildert werden, die unmittelbar mit dem Krieg in Zusammenhang stehen. Dabei kommen Zeitzeugen zu Wort und es wird auf Dokumente zurückgegriffen. Anders als im 1. Weltkrieg war Hallbergmoos direkt von Kriegsereignissen betroffen. Den Bombenabwurf von ca 30 Bomben am 9. Juni 1944 habe ich bereits im Sammelblatt 3/2007 beschrieben.

Bei einem Bombenangriff von 1500 Bombern auf München am 19. Juli 1944 kamen Vater und Sohn Deuter, beide mit Vornamen Martin durch eine explodierende Flakgranate in ihrem Hof am Bach ums Leben. Beide sind im Sterbebuch Notzing eingetragen und finden sich auch auf dem Kriegerdenkmal in Goldach. Von beiden gibt es auch das folgende Sterbebild.

Wie sich ein Zeitzeuge erinnert stand nach der Allee Richtung Erching links ein Flakscheinwerfer, dessen Überreste sie als Buben nach dem Krieg noch aufsuchten.

Dass auch Frauen und Kinder Opfer von Bombenangriffen wurden, ist bekannt. Dass aber auch eine gebürtige Goldacherin Bombenopfer wurde, vermutlich nicht. So kam die gebürtige Rosa Liebl vom Tannenweg als verheiratete Gentzsch mit ihrem 2 1⁄2 jährigem Sohn Fritzi bei einem Tagesangriff auf Brüx im Sudetenland am 12. Mai 1944 ums Leben. Ihr Ehemann war dort Betriebsleiter in einem Hydrierwerk und wohnte mit seiner Familie in einem Reihenhaus direkt neben der Fabrik, wie die überlebende Tochter, damals 11 Jahre alt, berichtet. Es war mittags und sie kam gerade vom Gymnasium heim, als der Angriff bei starkem Wind stattfand. Dabei fanden ihre Mutter und ihr Bruder Fritz den Tod. Ihre Familie traf es besonders schwer, denn ihr Bruder Johann fiel am 27. August 1944, gerade drei Monate später, als Obergefreiter einer Pioniereinheit in Frankreich im Alter von 36 Jahren. Nach Wiederverheiratung taufte Herr Gentzsch den aus der zweiten Ehe hervorgegangenen Sohn abermals auf den Namen Fritz. Die nachstehenden Fotos zeigen links Rosa Gentzsch mit Sohn Fritzi und rechts das Sterbebild ihres Bruders.

Um sich vor Sicht und auch den Bomben zu schützen, waren provisorische Luftschutzbunker überall im Ort errichtet worden. Die häufigsten sollten wohl nur vor Sicht schützen, waren es doch nur überirdische Holzkonstruktionen, die von Strohballen zugedeckt waren und gerade einmal 6-8 Personen Unterstand boten. Eine richtige Erdkonstruktion habe ich in meinem Sammelblatt 02/2014 beschrieben. Die Freiwillige Feuerwehr Hallbergmoos war nach ihrer Chronik von Dezember 1942 bis April 1945 insgesamt 19x in München mit 4500 Stunden im Einsatz. Auch beim Bombenangriff auf Freising am 18. April 1945 war sie im Einsatz.

Auch ein Flugzeugabsturz zwischen Hauslerhof und Goldach hat sich gegen Ende 1943 ereignet, als eine deutsche Me 110 vom Nachtjagdgeschwader Oberschleißheim brennend abstürzte, wie von Zeugen berichtet wird. Sogar weit in den achtziger Jahren fanden sich verbrannte Aluminiumteile mittels eines Metallsuchgeräts sowie ein Schild mit der Bezeichnung DB 605 und Gothaer Waggonfabrik. Diese Angaben decken sich mit den Erläuterungen in Wikipedia über Bau und Einsatz der Me 110. Ein Zeuge aus der Grüneckerstraße erinnert sich noch, dass der Brand ein paar Nächte loderte. Die Überreste der abgestürzten Piloten und Maschine sollen nach 2-3 Tagen von der Wehrmacht abgeholt worden sein.

Darüber hinaus gab es immer wieder Tieffliegerangriffe, vermutlich von Jagdflugzeugen, die sich z. B. ein aufgestelltes Jauchefass beim Lamprecht zum Ziel nahmen, wie Frau sich Frau Grundner erinnert. Einmal landete ein Splitter in einem Möbelstück im Haus.

Im Sterbebuch von Hallbergmoos sind auch zwei Kinder von osteuropäischen Arbeiterinnen auf Gut Erching eingetragen. Das erste Kind war am 20. Juni 1942 eine Totgeburt, dass andere verstarb am 28. August 1943 im fünften Lebensmonat, beurkundet vom Leichenbeschauer Georg Reuel. In diesem Zusammenhang sei auf das 2. Sammelblatt verwiesen, wo beschrieben ist, wie der in Dachau geborene Sohn einer Ukrainerin mit Namen Wladimir, seine Geburtsurkunde gesucht hat.

Doch nicht nur Kinder von osteuropäischen Arbeiterinnen kamen uns Leben, im Sterbebuch von Hallbergmoos ist auch der Tod des französischen Kriegsgefangenen Charlet Carabelli, verunglückt am 1. Juni 1943 beim Führen einer landwirtschaftlichen Zugmaschine auf Schlossgut Erching dokumentiert. An den Unfall kann sich noch ein Zeitzeuge erinnern. Nach seinen Angaben fuhr die Zugmaschine in den Graben vor Erching. Der Eintrag selbst datiert vom 24. November 1943, also fast sechs Monate nach dem Tod auf Grund einer Mitteilung der Wehrmachtsauskunftsstelle. Der Einsatz von Kriegsgefangenen ist nach mehreren Zeugenaussagen dokumentiert, wobei bei der Werkstatt Krabichler in Goldach eine Unterkunft für ca 20-30 französische Kriegsgefangene errichtet war. Von dort kamen die Kriegsgefangenen morgens zur Arbeit und mussten sich abends wieder dort hin begeben. Eine Zeitzeugin erinnert sich, dass ein kriegsgefangener Franzose von einem Weinbauernhof aus Südfrankreich auf ihrem Hof als Knecht seinen Dienst verrichtete. Morgens sei er aus dem STALAG bei Krabichler, wie sie sich erinnert, gekommen und abends dort wieder zurückgekehrt. Von den Päckchen, die seine Frau ihm schickte, haben sie Kinder immer Schokolade bekommen. Zudem habe der Franzose bemerkt, Deutschland sei dumm, es kenne nur Kraut und Rüben – eine Anspielung auf das Essen in Deutschland. Bei Kriegsende wollte er die von ihrem Vater erhaltene Uhr zurückgeben, durfte sie aber als Geschenk behalten, worüber er sich sehr gefreut hat.

Da Hallbergmoos bis 1961 eine eigene Polizeistation hatte, wurde auch berichtet, dass der Dorfpolizist abends während des Krieges penibel auf die Einhaltung der Verdunklungsvorschriften geachtet hat.

Auch einen Kindergarten hat es in der Kriegszeit gegeben. Dieser befand sich in einer Baracke hinter dem heutigen Gebäude, in dem sich die Praxis von Dr. Jung befindet, wie sich mehrere Zeitzeugen erinnern. Die Ausmaße betrugen ca. 8x20 Meter. Im Gebäude befanden sich auch mehrere kindgerechte Toiletten und Waschbecken, wie sich Frau Schwarz erinnert, die nach dem Krieg als Flüchtlinge mit ihrem Vater Dr. Kurkadem, den ersten niedergelassenen Arzt in Hallbergmoos, die Baracke bezogen. Rosa Hiller erinnert sich ebenfalls, dass sie einen Tag im Kindergarten verbringen durfte.

Soldatenfotos/Soldaten auf Fronturlaub

Das nachstehende Foto wurde Anfang September 1939 anlässlich des Einrückens von Franz Huber, 2. von links erstellt. Ganz links ist Jakob Stanglmeier, das kleine Mädchen mit Puppe ist Rosa Hiller, daneben Anni Fischer, die Schwester von Josef Fischer sen. und dahinter die Frau von Jakob Stanglmeier sowie ihre Mutter zu sehen. Aufgenommen vor dem Kainanwesen.

Das nächste Foto zeigt vier Soldaten auf Fronturlaub vor dem Singeranwesen in der Ludwigstraße. Von links nach rechts sind zu sehen: Josef Lex aus Franzheim(vermisst), Jakob Stanglmeier, Franz Huber, Ziehsohn des Ehepaars Stanglmeier und Martin Lex. Dort wo die Soldaten sitzen ist heute die Zufahrt zum Mövenpick. An die nach dem Krieg gepflanzten Trauerweiden kann sich Rosa Hiller noch erinnern. Interessant der typische Bauerngarten mit dem Holzlattenzaun. Zu Jakob Stanglmeier, Jahrgang 1901, ist noch zu berichten, dass er nur seine Ausbildung in Landshut bei der Fahrabteilung 7 in der Schochkaserne absolvieren musste, denn danach wurde er auf Grund eines Antrags des Ortsbauernführers Hans Babl vom Kriegsdienst freigestellt. Die nächsten beiden Fotos zeigen Rosa Hiller mit ihrem Vater auf der Bank sowie Martin Lex in voller Uniform vor dem Singeranwesen in der Ludwigstraße.

Hinweise auf das KZ Dachau

Was sich in Dachau zutrug, war wohl nicht genau bekannt, aber es grassierten immer wieder Sprüche wie, Du landest noch in Dachau. So geschehen auch gegenüber Martin Singer von seiner Schwester, wenn sich Martin wieder einmal systemkritisch äußerte. Übrigens stammen die letzten vier Fotos von Martin Singer.

An der Ecke Mathildenstr/Theresienstr stand im Krieg eine Baracke, die der Hitlerjugend (HJ) im Winter 1944/45 als Unterkunft für in der Landwirtschaft eingesetzte Jungen der HJ diente. Zu diesen HJ-Burschen gehörte auch der 14-jährige Willi Kraus, wie sich Rosa Hiller erinnert. Er war zum Einsatz im Kainanwesen ihrer Eltern abkommandiert. Gegen Ende des Krieges wurde Willi noch zu den Waffen gerufen und fiel als 14-Jähriger am 27. April 1945 bei Schwabstadl.

Mir liegt auch die Kopie eines Briefes vom 25.12.1943 eines später in Gefangenschaft verstorbenen Soldaten an seine Eltern vor. Darin schreibt er, dass er noch nie so traurige Weihnachten erlebt hat, ohne geschmückten Christbaum. Weiter schreibt er von dem Festmahl, das sie zu Weihnachten erhalten haben, darunter eine Tafel Schokolade und 20 Bonbons. Als Ortsangabe diente lediglich Osten, vermutlich um mit der Zensur nicht in Konflikt zu geraten. Interessant in diesem Zusammenhang, dass dies auch Michael Zeilhofer so empfand. Dazu schreibt er „Das Weihnachtsfest 1943 war mein traurigstes und ärmstes Weihnachten. In einem Panzerloch 120x50 cm saßen wir, Willi und ich. Wir waren froh, dass der Russe Ruhe gab und unsere kleine Weihnachtsfeier nicht störte! Willi zog eine Kerze aus dem Brotbeutel, woher er die hatte, weiß nur der liebe Gott. Wir plauderten von daheim und versuchten das Lied „Stille Nacht, Heilige Nacht“ zu singen, aber unsere Stimmen versagten und beide brachen wir in Tränen aus. Es war ruhig in dieser Nacht, kein Geschützlärm, auch bei den Russen Totenstille! Die Sterne funkelten und der Schnee glitzerte wie Lametta, als wäre es zur Zierde für unsere Weihnachtsfeier in Nowgorod.“ Soweit die Erinnerungen von Michael Zeilhofer.

Auch ein so genanntes Blitzmädchen kam aus Hallbergmoos, wie sich ein Zeitzeuge erinnert. Es war Anni Peischl, zunächst angestellt bei der Post in Hallbergmoos, die sich im Maxreiterhaus befand. Da sie sich mit ihrem Chef, dem Postbeamten und Bürgermeister Staudinger nicht so gut verstand, meldete sie sich freiwillig zur Wehrmacht und kam u.a. in Riga zum Einsatz, dass sie Jahrzehnte später noch einmal aufsuchte.

Das Kriegsende in Hallbergmoos

Am frühen Morgen des 30. April standen 8-10 Panzer vor dem Gasthaus Neuwirt in Goldach, wie sich Frau Hamburger, damals 16 Jahre alt genau erinnert, da ihr Vater an diesem Tag seinen 50. Geburtstag feierte. Die Panzer waren aus Richtung Mintraching gekommen und fuhren gegen abends Richtung Notzing ab. Es hatte geschneit, so dass eine leichte Schneedecke über der Landschaft lag. Da ungefähr die Hälfte der Panzerbesatzungen Farbige waren, stellten diese mit ihrer Hautfarbe einen extremen Kontrast zum Schnee dar, zumal man Farbige bis dahin noch nie zu Gesicht bekommen hatte. Aus den abgestellten Panzern drang Musik und die Soldaten verteilten Schokolade an die Kinder. Tags zuvor gab es ein Gefecht, bei dem vier deutsche Soldaten, darunter zwei SS-Soldaten, gerade 18 Jahre alt, getötet wurden. Ihre Leichen waren am 4., 8. und 10. Mai in den Isarauen gefunden worden, wie in dem Sterbebuch von Hallbergmoos vermerkt ist. Zwei von ihnen wurden erst laut Wehrmachtsauskunftstelle vom 29.11.1952 und 13.01.1969 identifiziert. Drei von ihnen ruhen nun auf dem Waldfriedhof in München. In diesem Zusammenhang kann sich Frau Hiller erinnern, dass an der Friedhofswand zur alten Schule längere Zeit etliche Kreuze mit Namen von Gefallenen standen. Wie mehrere Zeitzeugen bestätigen, war zum Kriegsende der Mittelteil der Isarbrücke von deutschen SS-Soldaten gesprengt worden, der aber durch die Amerikaner schnell überbrückt worden war, wie der Panzereinmarsch vom 30. April morgens zeigt. 1953 wurde die alte Isarbrücke abgerissen, da zwischenzeitlich weiter südlich eine neue errichtet worden war. An den Zeitpunkt kann sich Otto Busl genau erinnern, da er beim Abbruch der alten Brücke mitgeholfen hat. In Freising war die Isarbrücke am 29. April um 18 Uhr von der SS gesprengt worden, was bedeutet, dass die Zeiten zusammenpassen. Vermutlich steht auch der Tod der vier in den Isarauen bei einem Gefecht am 29. April getöteten Soldaten damit in Zusammenhang. Die Amerikaner waren ca. eine Woche in Hallbergmoos, hier insbesondere beim Alten Wirt in Goldach und auf dem Feld nördlich der Birkeneckerstraße. Auch im damaligen Schulhaus neben der Kirche müssen sie einquartiert gewesen sein, denn sie haben dort nach Aussagen Akten verbrannt, da es auf Grund des Schneefalls kalt gewesen war.

Für einige Stunden, von Vormittag bis Nachmittag, gab es zum Kriegsende auch noch einen Volkssturm aus Hitlerjungen und alten Männern, wie Zeitzeugen bestätigen. Einer der Volkssturmmänner war auch Jakob Stanglmeier, Jahrgang 1901, der weiter oben abgebildet ist. Als Bewaffnung hatten sie italienische Beutegewehre und eine MP, zusammen mit jeweils fünf Schuss Munition, die in der Schule eingelagert waren, erhalten. Unter Führung eines Wehrmachtsleutnants rückten sie in die Isarauen ab, wo sie in Stellung gingen. Ein älterer zwangsverpflichteter Volkssturmmann versuchte den Leutnant von der Sinnlosigkeit des Unternehmens zu überzeugen, da doch schon amerikanische Panzer in Hallbergmoos seien. Doch erst als der Leutnant die Truppe verlassen hatte, ließ der ältere Volkssturmmann die Gewehre einsammeln und vergraben und schickte alle nach Hause. In den achtziger Jahren suchte ein Zeuge mit einem Metallsuchgerät an der bezeichneten Stelle und fand noch Überreste von etlichen Gewehren. Ähnliches berichtet ein anderer Zeitzeuge vom damaligen Bürgermeister in Goldach, der einige Schützenlöcher ausheben ließ und erst auf heftige Intervention seines Vaters davon abließ. Die  nachstehenden Sterbebilder zeigen links den 17-jährigen Sebastian Huber aus Goldach, der am 27. April fiel. Das rechte Sterbebild zeigt Joseph Niedermair, der als Volkssturmmann neun Tage vor Kriegsende bei Webling/Dachau gefallen ist. In dem Bericht des Pfarrers werden bei einem Gefecht bei Webling ca 30 tote SS-Soldaten erwähnt, wobei es nichts Ungewöhnliches ist, da die SS oft HJ-Jungen und Volkssturmmänner eingekleidet hat.

Wie mehrere Zeitzeugen unabhängig voneinander berichten, müssen sich um den 30. April herum etliche amerikanische Truppen in Hallbergmoos aufgehalten haben. So standen am 1. Mai auf einem Weizenfeld nördlich der Birkeneckerstraße etliche Panzer, denn zu diesem Zeitpunkt gab es dort noch keine Bebauung. Auch von Gefangennahme und –abtransport wird berichtet, so z.B. von einigen Soldaten aus Goldach, darunter drei SS-Soldaten, die die Isarbrücke gesprengt hatten, wie sich eine Zeitzeugin erinnert. Diese hielten sich noch zuvor unter Führung eines Dienstgrades bei ihnen in der Wohnstube auf, bevor sie in Gefangenschaft gingen. Dazu hatten sich die SS-Soldaten zuvor Zivilbekleidung besorgt. Dem ordensgeschmückten Dienstgrad rissen die Amerikaner die Auszeichnungen von der Brust und führten mit seiner Dienstpistole ein Zielschießen durch, bevor der Soldat auf einem LKW abtransportiert worden ist. 

Am 8. Mai 1945 ist der ehemalige Bürgermeister von Longwy in Frankreich, Labro Pierre Albert gegen 5 Uhr morgens im Haus Nummer 77 verstorben. Laut Sterbebucheintragung befand er sich auf einem Transport vom Zuchthaus Straubing zum KZ Dachau. Dazu waren nach Auskunft von Herrn Resch von der JVA Straubing am 24. April um 5.30 Uhr 3.000 Häftlinge und 100 Beamte als Bewachungspersonal als Zug zusammengestellt worden, da das Zuchthaus bei einer Kapazität von 1100 Häftlingen mit 3850 besetzt war. Der Zug war am Samstag 28. April über Langenbach, Marzling und Freising bis nach Pulling gelangt, wo ihn die SS übernehmen sollte, die das aber wegen der sich nähernden Amerikaner nicht tat. Deshalb entschieden sich die Anstaltsleiter Badum und Polizeiinspektor Dott wieder nach Straubing zurück zu kehren. Übernachtung bei einem Bauern in einer Scheune in Tuching. Am Sonntag löste sich der Zug in mehrere Gruppierungen auf, deren Richtung nicht mehr nachvollziehbar ist. Der Name Labro taucht auf den bekannten Namenslisten nicht auf. Der am 30. November 1890 geborene Labro war am 11. Juli 1943 durch die GESTAPO verhaftet worden, wie auf www.memorial-genweb.org nachzulesen ist. Nach ihm ist auch eine Straße in Longwy benannt. Zu seinem Zug von Straubing nach Hallbergmoos ist in dem Buch „Das Ende des Zweiten Weltkriegs im Erzbistum München und Freising Teil II“ auf Seite 1368 als Bericht folgendes vermerkt, „Am Nachmittag des Sonntag (29. April 1945) durchzogen etwa 30-40 Insassen des Zuchthauses Straubing, zum großen Teil politische Häftlinge, darunter Österreicher, Tschechen und Griechen, den Ort Richtung Grüneck. Als sie sich den Isarauen näherten, bekamen sie MG-Feuer, so daß der Zug in Auflösung geriet. Die wenigen Wachmannschaften verschwanden, die Häftlinge kamen nach Goldach zurück. Der Bürgermeister verteilte sie auf verschiedene Höfe, wo sie sich in den Scheunen verbergen konnten, so daß sie bis zum Einmarsch der Amerikaner unbehelligt blieben. Nachmittags, etwa um 4 Uhr, wurde die Isarbrücke in Grüneck gesprengt.“ Soweit der Bericht von Expoitus Dr. Joachim Birkner, angefertigt auf Veranlassung des damaligen Erzbischofes von München und Freising, Kardinal Faulhaber. Erwähnenswert in diesem Zusammenhang, dass über den Tod von Labro weder im Bericht des Pfarrers von Goldach noch dem von Hallbergmoos die Rede ist, wie es bei anderen Berichten durchaus üblich war.

Nach Aussage von Erwin Gebhard kann sich dieser erinnern, dass ein Häftling in dem besagten Haus verstorben ist. Erwin Gebhard erinnert sich auch an einen Zug von KZ-Häftlingen, da dieser Zug auf der Wiese neben ihrem Anwesen Rast machte. Dabei kam ein Häftling in ihr Haus, um seine Hirse warm zu machen. Der herbeigeeilte SS-Wachmann griff ein, aber der Vater von Gebhard ging dazwischen. Danach verließ der Häftling das Anwesen. Nach einiger Zeit wurden auf einem amerikanischem LKW SS-Soldaten, darunter der ins Anwesen Gebhard eingedrungene SS-Mann, abtransportiert. Ein Zeitzeuge aus Neufahrn erinnert sich, dass er den Häftlingsmarsch nach Hallbergmoos führen musste und als er nach Neufahrn zurückkehrte, hing vom Kirchturm bereits die weiße Fahne. Ein weiterer Zeitzeuge aus Mintraching kann sich an diesen Häftlingszug in der 1200-Jahrchronik von Mintraching auf Seite 371 erinnert.

Nachrichten des Kreises Erding für seine Soldaten

Ab dem Jahr 1940 bis Ende 1944 brachte der Kreis Erding Nachrichten aus den einzelnen Gemeinden für seine Soldaten mit dem Titel „ Aus der Heimat. Nachrichten des Kreises Erding für seine Soldaten“ heraus. Mir liegt die Kopie eines entsprechenden Heftes vor, in dem auch Nachrichten aus Notzing und damit aus Goldach vorliegen. Darin wurde über gesellschaftliche Ereignisse wie Geburten, Eheschließungen, und Todesfälle in den Heimatorten und natürlich auch über Einberufungen, Urlaube, Verwundungen, Auszeichnungen und Beförderungen von Soldaten sowie Gefallene berichtet. Das Heft endet mit dem November 1944. Der letzte Absatz des nachstehenden Berichts zeugt von der Menschenverachtung des NS-Regimes und bedarf keiner weiteren Kommentierung.

Der zweite Ausschnitt berichtet indirekt über das Attentat vom 20. Juli im Zusammenhang mit der Steigerung des Sammlungsergebnisses für das Rote Kreuz. Im Abschnitt darunter wird über den Tod von Vater und Sohn Deuter berichtet. Dazu muss erwähnt werden, dass unter dem Eintrag vom Juni 1944 über die Entlassung von Deuter Martin aus dem Militärdienst berichtet wird.

Kriegserlebnisse und Gefangenschaft

Im 2. Weltkrieg dienten ungefähr 18 Millionen Männer, Frauen und auch Kinder auf deutscher Seite im Krieg. Abermillionen von jungen Leuten wurde ihre Jugend und Kindheit geraubt. Da nur wenige schriftliche Aufzeichnungen vorliegen, bringe ich aus zwei mir vorliegenden Lebenserinnerungen Auszüge insbesondere zur Gefangenschaft. So schreibt Michael Fritz, Jahrgang 1914, in seinen Erinnerungen, das er im Herbst 1935, als erster Jahrgang nach Einführung der allgemeinen Wehrpflicht, zum Infanterieregiment 19 in Freising in die Vimykaserne einrücken und seine Wehrpflicht ableisten musste. Als er im September 1939 wieder zum Kriegsdienst eingezogen wurde, war es bereits das Infanterieregiment 468, ein Hinweis auf die enorme Erhöhung der Truppenstärke der Wehrmacht, wie bereits geschildert wurde. Er diente unter anderem in Rußland, wo er dreimal verwundet wurde, bevor er 1944 in der Normandie in Gefangenschaft geriet. In der Gefangenschaft musste er überwiegend Holz machen und war das erste Jahr der Gefangenschaft in einem Zweimannzelt untergebracht. Im Sommer 1946 konnte er nach zwei Jahren in Gefangenschaft und fast fünf Jahren im Kriegseinsatz nach Hause zurückkehren. In seinen Erinnerungen schildert er ausführlich seine verschiedenen Einsätze während des Krieges und das die beiden Polen, die auf dem Hof des Vaters geholfen hatten, nicht mehr da waren, als er nach Hause kam.

In seinen Erinnerungen schildert Michael Zeilhofer, Jahrgang 1922, dass er nach sieben Jahren Volksschule und einer Schreinerlehre im Januar 1941 für die Messerschmidtwerke in Leipheim zwangsverpflichtet worden ist. Im Dezember 1941 meldete er sich freiwillig zur Luftwaffe und wurde zum 20. Februar 1942 zum 1. Fliegerausbildungsregiment nach Leipheim eingezogen. Zeilhofer meldete sich zur Fallschirmtruppe und wurde als Fallschirmjäger ausgebildet. Nach diversen Einsätzen, unter anderem auch in Rußland wurde er im Mai 1944 in die Bretagne versetzt. Dort geriet er Ende Juli 1944 in Gefangenschaft, die ihn über England nach Amerika führte. Im Februar 1946 wurde er nach Frankreich verlegt, wo er schließlich Ende Oktober 1948 nach Hallbergmoos zurückkehrte. Auch er widmet sich in seinen Erinnerungen ausführlich seinen Einsätzen im Krieg und anschließender Kriegsgefangenschaft.

Einen anderen Fall stellt Ludwig Gruber dar, der 1945 auf dem Transport in die russische Kriegsgefangenschaft flüchtete und unversehrt im August die Heimat erreichte, wie er selbst in einem Erfassungsbogen zur 150-Jahrchronik schildert. Gruber, Jahrgang 1913 meldete sich freiwillig zur Reichswehr und wurde im Mai 1931 darin aufgenommen. Bis Kriegsende diente er sich bis zum Oberleutnant und Kompaniechef hoch. Seine Zeit als 1. Bürgermeister unserer Gemeinde habe ich ausführlich im 8. Sammelblatt geschildert.

Bericht über den Spätheimkehrer Karl Schäfer

Ein Schicksal der besonderen Art ereilte Karl Schäfer (Bild oben), geb 24.1.1911, gestorben am 13.6.1986, den Vater von Gerda Fröhlich, der erst im Januar 1956 mit dem letzten Krankentransport aus russischer Kriegsgefangenschaft über Friedland und Frankfurt am 18.1.1956 nach Hallbergmoos zurückkehrte, nach dem Bundeskanzler Adenauer 1955 die letzten ca. 10.000 deutschen Kriegsgefangenen nach Hause geholt hatte. Seine Ankunft in München um 14.28 Uhr mit dem Rheinblitz erfuhr die Ehefrau mittels Telegramm, aufgenommen in der Post Hallbergmoos gut zwei Stunden vorher.

Hier wurde er im Alten Wirt gebührend empfangen und sah seine elfjährige Tochter zum zweiten Mal.

Auf dem Foto sind von links 1.Bürgermeister Zeilhofer, Frau Gruber, Karl Schäfer, Polizist Kliegel, Tochter Gerda und Frau Fanny Schäfer zu sehen.

Schäfer war nach seiner Einberufung zur Wehrmacht am 2.2.1940 zunächst von März 1940 bis Sommer 1942 in Frankreich eingesetzt, bevor es an die Ostfront nach Rußland ging. Dort geriet er im Mai 1945 in Gefangenschaft. Die erste Post aus der Gefangenschaft erhielt seine Frau datiert vom 18.8.1946. Ab dem Datierungsdatum 3.11.1946 durfte die Karte bis zum 11.1.1948 nur 15 bis 20 Worte umfassen. Vom 10.2.1949 bis 22.5.1951 erhielt die Familie keine Post, da sich Karl Schäfer am Baikalsee befand. Danach durfte Karl Schäfer wieder alle zwei bis drei Monate eine Karte schreiben. Interessant die Weihnachtskarte, die Karl Schäfer 1942 schrieb. Sie zeigt einen mit warmer Winterbekleidung ausgerüsteten Soldaten vor Gebirgszügen und Christbaum.

Von den Bildserien, die Karl Schäfer mitbrachte, seien nachfolgende Fotos gezeigt, zeigen sie doch die Dimension des 2. Weltkriegs, die die Wehrmacht bis nach Asien brachte.

Das nachfolgende Foto zeigt Karatschaierkrieger auf Pferderücken mit Hakenkreuzfahne.

Das nächste Foto aus derselben Fotoserie zeigt Soldaten nach der Schlacht bei Rostow 1943, wobei m. E. deutlich die Erschöpfung und Anspannung in den Gesichtern der Soldaten zu sehen ist.

Bei Franzosen und Amerikanern war dagegen die Praxis der Gefangenenpost deutlich leichter. Mir liegen zwei Briefe eines Hallbergmoosers aus französischer und amerikanischer Gefangenschaft vor, wobei hier der aus Frankreich abgebildet ist. Dabei ist zu sehen, dass der Brief gebührenfrei war und zwei Stempel trägt.

Hallbergmoos nach dem Krieg

Im Beschlußbuch der Gemeinde unter dem 13. Mai 1945 findet sich in etwa folgende Eintragung: ca. 25 Männer und Frauen aus allen Stämmen der Gemeinde und Pfarrer Karl Morath sowie Pater Christian Moser von Birkeneck haben Jakob Staudinger einstimmig weiterhin als Bürgermeister bestimmt. Gegenfalls sollte Josef Wilnhammer Ersatzmann sein. Diese Entscheidung hatte bis 23. November 1945 Bestand, als die Amerikaner Vitus Zeilhofer als Bürgermeister einsetzten.

Von den polnischen Arbeiterinnen blieben nach Angabe von Rosa Hiller Maria Radomska und Franziska Kaminska in Hallbergmoos und wurden nach ihrem Tod auch in Hallbergmoos beerdigt.

Auch berichten beide Pfarrer von Hallbergmoos und Goldach und viele Zeitzeugen über Plünderungen nach Kriegsende.

Die Krieger- und Soldatenvereine waren durch die Amerikaner verboten worden. So dauerte es in Goldach bis 1947 und in Hallbergmoos bis zum März 1950, ehe sie wieder gegründet wurden.

Durch den Flüchtlingsstrom stieg auch die Zahl der Einwohner. So zählte Hallbergmoos am 13. Mai 1950 1831 Einwohner. Zwischendurch sank die Einwohnerzahl, um erst am 31.12.1971 mit 1830 den Stand von 1950 erreicht zu haben, was bedeutet, dass die Einwohnerzahl in diesen 20 Jahren praktisch gleich blieb.

Zu den Flüchtlingen in Hallbergmoos zählte auch die Familie Rentz sowie die Familie des Dr. Kurka, den ersten niedergelassenen Arzt in Hallbergmoos. Auch meine beiden Elternteile waren Flüchtlinge. So wurde meine Mutter im Frühjahr 1946 aus Troppau im Sudetenland vertrieben und mein Vater stammte aus Niederschlesien und durfte nach der Gefangenschaft im bayerischen Wald nicht mehr in seine Heimat zurück. Seine Eltern wurden 1946 aus ihrer Heimat vertrieben.

Was ist mir aufgefallen

Der 2. Weltkrieg verursachte eine deutlich höhere Zahl an Gefallenen. Hinzu kamen die Vermissten, wobei in Goldach auf dem Kriegerdenkmal mit zwei Ausnahmen, wo nur der Monat angegeben ist, der Tag hinzu gefügt ist. In Hallbergmoos sind die Vermissten nur alphabetisch aufgeführt.

Bisher gibt es kaum Berichte über die Auswirkungen des 2. Weltkriegs auf Hallbergmoos. Die 150-Jahrchronik aus dem Jahr 1980 schweigt sich hier weit gehend aus. Erst der Film Holocaust, ausgestrahlt im Jahr 1979 hat zur Geschichtsaufarbeitung einen wesentlichen Beitrag geleistet. Auch im Landkreis Freising, durch den etliche Häftlings- und Todesmärsche zogen, ist dieses Thema bis heute nicht richtig aufgearbeitet. Einzig die Berichte der Pfarrer aus der Diözese München und Freising, veranlasst vom damaligen Kardinal Faulhaber geben Zeugnis über die letzten Tage des 2. Weltkriegs in unserer Heimat.

Kriegerempfänge hat es nach dem 2. Weltkrieg in Hallbergmoos nicht gegeben, nur der Spätheimkehrer Schäfer wurde 1956, fast elf Jahre nach Kriegsende, im Alten Wirt empfangen.

In Hallbergmoos vergingen nahezu 20 Jahre, bis die Stelen für die im 2. Weltkrieg Gefallenen und Vermissten bei der Umsetzung des Kriegerdenkmals aufgestellt wurden. Nach dem ersten Weltkrieg waren vier Jahre vergangen. Eine Besonderheit ist sicher die Tatsache, dass es in Hallbergmoos zwei Denkmäler für die im 2. Weltkrieg Gefallenen gibt, wobei das der Pfarrgemeinde sicher deutlich eher aufgestellt wurde.

Ähnlich wie im 1. Weltkrieg gibt es viele unterschiedliche Quellen, die nicht deckungsgleich sind. Neben dem Kriegerdenkmal sind dies jeweils die beiden gerahmten Bilder mit Teilnehmern und Gefallenen, sowie die 150-Jahrchronik. In Hallbergmoos gibt es noch dazu das Ehrenmal der Pfarrgemeinde und auf dem Bild der Kriegsteilnehmer sind Gefallene und Vermisste mit aufgeführt, vereinzelt mit Foto in Zivil. Für Goldach sind auf den Fotos alle Soldaten von Notzing und Goldach aufgeführt. In den  Sterbebüchern sind nicht annähernd alle Gefallenen registriert. Insgesamt sind mindestens 59 Soldaten aus Hallbergmoos und 33 aus Goldach gefallen. Dazu zu zählen sind die Vermissten aus Hallbergmoos mit 23 Soldaten sowie Goldach mit 15 Vermissten, also insgesamt 130 Soldaten. Hinzu kommen noch mindestens acht in Kriegsgefangenschaft Verstorbene dazu. Auch sind im Ortsgebiet von Hallbergmoos vier Wehrmachtssoldaten am 29. April gefallen.

Vom Tod des Kriegsgefangenen Charlet Carabelli und des Häftlings Albert Labro berichtet auch die Festschrift zum 90-jährigen Gründungsfest des Krieger- und Veteranenvereins Hallbergmoos auf Seite 7 unten.

Aus den gefallenen Tagelöhnern des 1. Weltkrieges waren im 2. Weltkrieg überwiegend landwirtschaftliche Arbeiter geworden, die auch auf Sterbebildern zu sehen sind, die mir vom 2. Weltkrieg deutlich zahlreicher vorliegen.

Dass im 2. Weltkrieg mit 3,25 Mill Soldaten auch 3,64 Mill Ziviltote für Deutschland zu beklagen waren, trifft so Gott sei Dank für Hallbergmoos nicht zu. Hier waren an Ziviltoten durch Kriegsereignisse die beiden Martin Deuter sen. und jun. zu beklagen.

Besonders positiv fiel mir auf, dass meine Bitten auf Auskünfte nie abgeschlagen worden sind.

Danksagung

An dieser Stelle möchte ich mich bei allen bedanken, die mich bei der Erstellung dieses Sammelblattes unterstützt haben. Zunächst bei den Mitarbeitern der Gemeindeverwaltung, die mir Einblick in die Unterlagen gewährten. Mein besonderer Dank gilt allen Zeitzeugen, die mir geduldig und teilweise mehrmals von ihren Erlebnissen berichteten und mir auch Dokumente zur Verfügung stellten. Ohne sie wäre dieses Sammelblatt nicht möglich gewesen. Vergelts Gott.

Schlussbetrachtung

Nach intensiver Auseinandersetzung mit den beiden Weltkriegen, dem Abgleich von Sterbebucheinträgen mit den Namen auf Denkmälern sowie Bildern und Chroniken über die beiden Kriege bleibt als Fazit die Feststellung, dass unwahrscheinliches Leid über unsere Gemeinde gekommen ist und das innerhalb eines Vierteljahrhunderts. Dabei waren die Verluste im 2. Weltkrieg im letzten Jahr unwahrscheinlich hoch. Nach über 69 Jahren Frieden in Mitteleuropa kann das Gros von uns Leid und Elend, die diese Kriege mit sich gebracht haben, kaum nachvollziehen. Umso mehr ist es unsere Aufgabe, unser Tun und Handeln danach auszurichten, Kriege auch zukünftig zu verhindern und dafür Sorge zu tragen, dass die Ermordung oder auch nur Benachteiligung von Mitmenschen wegen ihres Glaubens, ihrer Rasse, Anschauung oder Behinderung unmöglich gemacht wird. Dazu müssen wir uns das Geschehene immer wieder ins Gedächtnis rufen und der Opfer von Kriegen und Gewalt gedenken.

 

Karl-Heinz Zenker
Hallbergmoos, am 1. September 2014