Ludwig Gruber, Jahrgang 1913, in Goldach geboren und aufgewachsen, schaffte 1931 die Aufnahme in das 100.000 Mannheer der Reichswehr, wo er durch exzellente Schieß- und Reitleistungen überzeugte.
Er schaffte den Aufstieg zum Oberleutnant und Kompaniechef. Aus russischer Kriegesgefangenschaft, in die er 1945 geriet, floh er 1946 zusammen mit zwei Kameraden und kehrte zu Fuß nach Hallbergmoos zurück. Er trat nach einer Tätigkeit im Raiffeisenlagerhaus in eine große Versicherungsgesellschaft ein und wurde Inspektor und Fachaußenmitarbeiter.
Von 1950 bis 1972 führte er den SV Siegfried als 1. Vorsitzender und schaffte mit den Ringern den Aufstieg in die 1. Bundesliga. 1965 ging er den Bau der Siegfriedhalle mit Eigenmitteln von DM 1.000 an. Die in Eigenregie erstellte Halle wurde in nur sieben Monaten fertig gestellt.
Als er zusammen mit anderen bei der Nominierungsveranstaltung des CSU-Bürgermeisterkandidaten des Saales verwiesen wurde, gründete er zusammen mit Hans Häuslmeir die Freien Wähler.
Die Wahl zum 1. Bürgermeister gewann er 1966 gegen Hans Hartshauser von der CSU mit 62% der Stimmen. Seine Freien Wähler errangen mit 47,44 % gegenüber 45,64 % der CSU fünf Gemeinderatssitze. Wie versprochen, hatte Ludwig Gruber mit Amtsantritt am 2. Mai seine Stellung als Außendienstmitarbeiter bei der Versicherung gekündigt, um der Gemeinde den ganzen Tag zur Verfügung zu stehen, die damals 1736 Einwohner zählte. Josef Gastl und Franz Sedlmeier von seiner Gruppierung wurden zum 2. und 3. Bürgermeister gewählt.
Ludwig Gruber widmete sich in den ersten Jahren seiner Tätigkeit überwiegend dem Straßenausbau, der Erstellung eines Flächennutzungsplans sowie der Weiterentwicklung der Bebauungspläne. 1967 wurde beschlossen, nach Straße und Hausnummer zu nummerieren. Ebenso wurde die Landshuter Decke des Schulhauses saniert. 1970 beschloss man den Bau der Kanalisation, nachdem bereits die Theresienstraße kanalisiert worden war.
1972 wurde Ludwig Gruber ohne Gegenkandidaten mit 694 (87%) der Stimmen im Amt bestätigt. Die Freien Wähler errangen mit 56,28 % die absolute Mehrheit und stellten sieben Gemeinderäte, die CSU fünf. Die Planung der Gesamtkanalisation wurde begonnen. 1973 beantragte Ludwig Gruber ein Tonbandgerät zur Aufzeichnung der Gemeinderatssitzungen. Im selben Jahr brachte er die Entwässerungssatzung auf den Weg und besorgte Kredite für den Bau der Kanalisation. Der Gemeinderat genehmigte den Vertrag für die Kläranlage. Im Jahr 1974 beantragte die Gemeinde den Anschluss von Goldach/Notzingermoos an Hallbergmoos und den Verbleib im Landkreis Freising. Das Abführen von Gemeinderat Wölkl am 29. April 1974 brachte Gruber in die überörtliche Presse. Was war geschehen. Nachdem am 25. März die fünf CSU-Gemeinderäte die Sitzung verlassen hatten, belegte Gruber diese mit einem Ordnungsgeld von DM 10 bzw DM 20 und verlas zu Beginn der Sitzung am 29. April eine dreiseitige Erklärung zur Situation im Hallbergmooser Gemeinderat. Auch hatten sich CSU-Gemeinderäte mit einer Dienstaufsichtsbeschwerde an das Landratsamt gewandt. Als sich Gemeinderat Wölkl zu Wort melden wollte, wurde er von Gruber abgewimmelt und aufgefordert, den Saal zu verlassen. Darauf erwiderte Wölkl „ net amal seine eigene Meinung darf man sagen. Und außerdem die 20 Mark kriegen Sie im Jahr 2000 in Form von einem Sack Kartoffeln“. Bürgermeister Gruber ließ darauf von der alarmierten Funkstreife Gemeinderat Wölkl abführen.
Zweimal forderte die Gemeinde in diesem Jahr einen S-Bahnhof.
Am 18. September 1975 kündigte Ludwig Gruber an, 1978 wieder zu kandidieren. Dabei erklärte er, er wolle sich nicht vor der Verantwortung drücken und „ wie lange ich als Bürgermeister hier sitze, bestimmen nicht die Gemeinderäte Weiß und Funk, sondern die Wähler, die mich schon zweimal gewählt haben.“ Weiter verkündete er, dass er gewillt sei „mit allen Mitteln dazwischen zu funken, sollte das Ergebnis des Anhörungsverfahrens zur Gebietsreform unbefriedigend sein.“
Im selben Jahr trieb er die Kanalisation und Fertigstellung der Kläranlage voran und rief am 26. November die Hallbergmooser auf, am 30.11. zur Abstimmung über den Zusammenschluss von Hallbergmoos und Goldach zu gehen. Dazu führte er am 28.11. zusammen mit Landrat Schrittenloher eine Veranstaltung im Gasthaus Stegherr durch.
1976 trieb Gruber den Straßenbau weiter voran. Zu einem DM 205.000 Zuschussantrag des SV Siegfried stellte Gruber heraus, dass ein so hoher Betrag nicht möglich sei. Kurz darauf wurde im Gemeindrat beschlossen, dem SV Siegfried DM 50.000 zu gewähren, sobald es die Haushaltslage zuließe. Die Aufstellung eines Gemeindeentwicklungsplans wurde bis zur endgültigen Flughafenentscheidung verschoben.
Im Jahr 1977 stand zunächst die Zuschussfrage für den Bau des VfB-Geländes im Mittelpunkt. Danach ging es um die bevorstehende Kommunalwahl sowie die damit zusammenhängende Gemeindegebietsreform. So wurde am 27. Februar 1978 beschlossen, dass das ab 1. Mai aus der Stadt Freising zu Hallbergmoos kommende Gebiet der südlichen Brandau zum Industrie- und Gewerbegebiet werde.
1978 wurde Gruber mit 67,4% der Stimmen gegen Groß zum 1. Bürgermeister der mit Goldach zusammengelegten Gemeinde Hallbergmoos gewählt. Danach erklärte er, dass er sich nicht als Bürgermeister einer Partei oder Gruppe betrachte, sondern als Bürgermeister aller Bürgerinnen und Bürger der gesamten Gemeinde. Auf seinen Antrag hin übernahm die Gemeinde die Kriegerdenkmale zum 1. Januar 1979. Im Jahr 1979 beschloss man einen engeren und erweiterten Festausschuss zur 150-Jahrfeier, die vom 13. bis 22. Juni 1980 stattfand. Dazu wurden insgesamt 3000 Ortschroniken in Auftrag gegeben. Auf Vorschlag des Bürgermeisters beschloss der Gemeinderat einstimmig den Bau eines Feuerwehrgerätehauses mit Bauhof. Zum 1. September 1981 wurde der Privatkindergarten als Gemeindekindergarten übernommen. Das Jahr 1982 brachte den Baubeschluss von Gemeindesaal und Bauhof auch ohne Zuschuss nach Finanzausgleich sowie die weitere Arbeit am Flächennutzungsplan, nachdem dieser zunächst gestoppt worden war.
1983 wurde die Schenkungsvereinbarung über das Originalgemälde des Ortsgründers Graf Hallberg mit Freifrau von Hallberg zu Broich unterschrieben. Im selben Jahr ging die Kläranlage mit 6000 Einwohnergleichwerten in Betrieb. Dazu luden 1. und 2. Bürgermeister Ludwig Gruber und Erwin Gebhard am 9. Oktober zu einem Tag der offenen Tür ein und spendierten aus eigener Tasche Bier und einen Imbiss. Im Dezember 1983 wandte sich Ludwig Gruber mit einem Brief an alle Bürger, in dem er Bilanz zog aber auch die Finanzierung der Wahlprogramme und Wahlversprechen ansprach. Im Februar 1984 ließ er einen weiteren Brief folgen, der sich mit dem Schulhausneubau sowie Fragen im Zusammenhang mit den Wahlversprechen beschäftigte. Bei der Kommunalwahl 1984 erhielt Ludwig Gruber als Gemeinderat mit 1271 die höchste Stimmenzahl als Gemeinderat der FWG. 1985 erhielt Ludwig Gruber Urkunde und Medaille des bayerischen Innenministeriums für Verdienste im kommunalen Bereich. Am 9. Juni 1987 beantragte Ludwig Gruber seinen Rücktritt als Gemeinderat aus gesundheitlichen Gründen. Am 21. Dezember 1987 ernannte ihn der Gemeinderat zum Ehrenbürger. Ludwig Gruber verbrachte noch viele Jahre bei bester Gesundheit, wobei sich an seinem Geburtstag die alten Kämpfer des SV Siegfried sowie der Freien Wähler trafen. Am 8. März 1999 verstarb Ludwig Gruber und wurde unter großer Anteilnahme der Bevölkerung beigesetzt.
Hallbergmoos, im März 2008
Karl-Heinz Zenker